In der Antike und im Mittelalter wird der Tod des Feindes in den literarischen Texten fast ausnahmslos aproblematisch wiedergegeben, ja das Heldentum wird an Menge und Bedeutung der erschlagenen Feinde gemessen. Die sehr oft religiös bemantelten Motivationen zur Niedermetzelung der Feinde sind zu stark und die Bedeutung des Individuums ist zu schwach, als dass das Töten im Krieg als moralisches Problem empfunden wird, zumal nicht nur der “friedliche” Tod, sondern auch der Mord und die Hinrichtung zur gesellschaftlichen Alltäglichkeit gehören und konfliktlos angenommen werden. Im Laufe einiger Jahrhunderte kommt es aber dazu, dass das Töten und der “friedliche” Tod von der Gesellschaft mehr und mehr verdrängt werden. Auch durch die Anfang der Neuzeit einsetzende, bis in das 18. Jh. hinein fortschreitende “Revolution” in der Kriegsführung wird das Töten des Feindes entpersönlicht, damit effizienter und psychologisch akzeptabler gemacht: in der zunehmend mit Fernfeuerwaffen ausgefochtenen Massenschlacht wird der Feind in seiner Uniform nicht als Individuum, sondern als winziger Teil eines Ganzen wahrgenommen, als Ziel von ferne und “maschinell” (nicht mehr “hand-werklich”) ausgeschaltet. Dieser Entwicklung setzt sich die Literatur entgegen, die von einem neuen Interesse für die Frage des “aussergesellschaftlichen” Tötens im Krieg zeugt, wenn sie diesen Akt wieder auf eine “menschliche” Dimension zurückführt und damit problematisiert. Unter Mitberücksichtigung des Bildes des “Anderen” sollte an Hand von literarischen, den Krieg und das Töten darstellenden Texten der frühen Neuzeit dieser mögliche Zusammenhang zwischen militärischer Revolution und moderner Aufwertung des Individuums erforscht werden.

Überlegungen zum Töten im Krieg in literarischen Darstellungen vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit

DE POL, ROBERTO
2012

Abstract

In der Antike und im Mittelalter wird der Tod des Feindes in den literarischen Texten fast ausnahmslos aproblematisch wiedergegeben, ja das Heldentum wird an Menge und Bedeutung der erschlagenen Feinde gemessen. Die sehr oft religiös bemantelten Motivationen zur Niedermetzelung der Feinde sind zu stark und die Bedeutung des Individuums ist zu schwach, als dass das Töten im Krieg als moralisches Problem empfunden wird, zumal nicht nur der “friedliche” Tod, sondern auch der Mord und die Hinrichtung zur gesellschaftlichen Alltäglichkeit gehören und konfliktlos angenommen werden. Im Laufe einiger Jahrhunderte kommt es aber dazu, dass das Töten und der “friedliche” Tod von der Gesellschaft mehr und mehr verdrängt werden. Auch durch die Anfang der Neuzeit einsetzende, bis in das 18. Jh. hinein fortschreitende “Revolution” in der Kriegsführung wird das Töten des Feindes entpersönlicht, damit effizienter und psychologisch akzeptabler gemacht: in der zunehmend mit Fernfeuerwaffen ausgefochtenen Massenschlacht wird der Feind in seiner Uniform nicht als Individuum, sondern als winziger Teil eines Ganzen wahrgenommen, als Ziel von ferne und “maschinell” (nicht mehr “hand-werklich”) ausgeschaltet. Dieser Entwicklung setzt sich die Literatur entgegen, die von einem neuen Interesse für die Frage des “aussergesellschaftlichen” Tötens im Krieg zeugt, wenn sie diesen Akt wieder auf eine “menschliche” Dimension zurückführt und damit problematisiert. Unter Mitberücksichtigung des Bildes des “Anderen” sollte an Hand von literarischen, den Krieg und das Töten darstellenden Texten der frühen Neuzeit dieser mögliche Zusammenhang zwischen militärischer Revolution und moderner Aufwertung des Individuums erforscht werden.
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